Ipplendorfer Kirche
Die Entstehung der Ipplendorfer Kirche
Die Kirche in Ipplendorf wer sehr wahrscheinlich ursprünglich eine hofgebundene Eigenkirche, das heißt, sie gehörte einem Gutsherren und nicht der Gemeinde.
Anfang des 12. Jahrhunderte wurden die ersten Gutsherren bzw. Lehnsherren der Kölner Kirche erwähnt:
Amelricus de Wormerstorph und Heinricus de Aldendorph.
Beide waren Ministerialen des Erzbischofs von Köln.
Heinricus de Aldendorp war erzbischöflicher Ministerial unter den Erzbischöfen Friedrich I , Bruno II (von 1131 - 37) und Arnold I (von 1138 - 39). Insgesamt sind noch 29 Urkunden erhalten geblieben, die von ihm unterschrieben worden sind, dreimal mit dem Wormersdorfer Ministerial Amelricue de Wormerstorph zusammen.
Von 1126 - 1154 war Amelricus de Wormerstorph (auch Wurmerstorph geschrieben) erzbischöflicher Ministerial. 20 Urkunden sind nacRweisl'.ch von ihm unterschrieben worden, und zwar in der Zeit der Erzbischöfe Friedrich I. (von 1126 - 31). Bruno II. (von 1131 - 37). Arnold I. (von 1138 - 51) und unter Arnod II. (von 1151 - 54).
Zu den Ministerialen und Rittern (lat. Miles) von KleinAltendorf und Wormeredorf sei folgendes zur Information erwähnt:
Die Dörfer entstanden, wo früher nur einzelne Häuser bzw. Hütten auf den Hof der Herren ausgerichtet waren. Weil die Bauern nach und nach nicht mehr selbst Vieh oder Eier beim Herrenhof ablieferten, mußten die Hofbesitzer Verwalter einstellen, die Renten und Naturalien einsammelten und darauf achteten, daß niemand zuviel in die eigene Tasche wirtschaftete. Es entwickelte sich - speziell in Deutschland - min eigener mittelalterlicher Beamtenstand: die sog. Ministerialen. Es handelte sich um Unfreie, die nicht an die Scholle gebunden waren und ihren Herren, ob Graf oder Erzbischof, vor allem als Verwalter der Ländereien wichtige Dienste leisteten. Sie erhielten große Güter zu Lehen, nach denen sie sich benannten, und stiegen nicht selten in den Adelsstand auf. Trotzdem blieben sie persönlich unfrei. Wollten z. B. sie selbst oder ihre Kinder außerhalb ihrer jeweiligen "Familie" heiraten, so brauchten sie dazu die Erlaubnis ihres Herren.
So entstand der niedere Adel. Beamte, die der Hochadel brauchte, weil Herzöge oder Grafen sich nicht mehr selbst um ihre Güter kümmerten und Verwalter benötigten. Diese Ministerialen, ursprünglich also unfrei, wurden mit der Zeit unentbehrliche Helfer und vertraute Ratgeber ihrer Herren. Sie erhielten zum Dank eigene Lehen, Grundbesitz, auf dem sie ihrerseits Burgen bauten. Daß sie den Idealen und Lebensformen ihrer Herren nacheiferten, ja sie noch zu übertreffen versuchten, wen wundert es ? Mit der Zeit vererbten sie ihre Stellungen und Ämter auf den Sohn, was dem Wesen der Aristokratie entspricht. Nicht Leistungen, sondern angeborene Privilegien entschieden die Stellung in der Gesellschaft.
Es ist zu vermuten, daß solche Ministerialen in Ipplendorf eine kleine Kirche (capella) erbaut haben. Möglicherweise hat aber auch schon einer ihrer Vorfahren damit begonnen. Diese Gutsherren könnten in der Zeit der Pfalzgrafen von der Tomburg in den Besitz ihrer Lehnsgüter gekommen sein, die später en die Kölner Kirche übergingen, und zwar durch Erzbiechhof Hermann II (1036 - 56), Sohn des Pfalzgrafen Ezzo. der größtenteils seine Besitzungen, zusammen mit seiner Schwester, Königin Richeza, 1052 an die Kölner Kirche vererbte.
Die Gutsherren mußten neben der Unterhaltung dieser kleinen Kirche auch noch für den Geistlichen sorgen. Das mag zur damaligen Zeit für manche schwierig gewesen sein, und so wird man eich an Rheinbach angeschlossen haben. Die Ipplendorfer Kirche wurde eine Filialkirche. Sie hatte als Patron, ebenso wie Rheinbach. St. Martinus.
Um 1200 wurde das Patronatsrecht an die Abtei Münstereifel übertragen, da ja auch Rheinbach eine Mutterkirche den Stiftes Münstereifel war. Außer den Ministerialen könnten auch vermutlich die Hofmeister (Magister grandia) von der Abtei Himmerod zur Gründung der Kirche beigetragen haben.
In den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts kam der heutige Brückenhof in den Besitz der Abtei Himmerod. Der Hof wurde von einem Hofmeister der Abtei verwaltet. Später kam noch ein Hof in Klein-Altendorf hinzu. Erst Mitte des 16. Jh. wurden diese Höfe an sogenannte Halfen verpachtet.
Um das Jahr 1112 wurde zwischen dem Stifte Münstereifel und dem Pfarrer von Rheinbach die Frage erörtert, welche Einkünfte dieser beziehen sollte. Es handelte sich nämlich um die Nutznießung von 30 Morgen Land zu Rheinbach und Ipplendorf, den Zehnten von 7 1/2 Maneus zwischen den Ortschaften, den Census der Dienstleute (Municipia), welche der Kirche zugehörten, verschiedene Opfergaben und eine Stiftung für den Altar, welche jährlich fünf Solides eintrug. (soll = 12 Deniers = 5 1/2 Pfennig - 1 Denar = 1 Heller).
Diese Frage löste der Erzbischof Friedrich I von Köln mit dem Hinweis auf die ursprüngliche Bestimmung der fraglichen Objekte.
Unterschrieben hatten nebst mehreren Kölner Äbten und Pröbeten: "Dietrich Graf von Are, Conrad Graf von Bonn, Rudolph von Hart, dann die Ministrales: Almerua Advocatue, Heinrich von Altendorf, Johann Blenae, Lambert von Palmersheim."
Dazu auch ein Auszug aus dem Kölner Regesten:
"Ipplendorf. Im Jahr 1118, Köln, EB Friedrich I. (1100 31), errichtet auf Bitte der Brüder des Stiftes Münstereifel - in pago Eiflia in villa, que Monasterium diastur - eine zwischen ihnen und dem Bruder an der dem Stifte gehörigen Kirche in villa Reginbach herrschenden Streit, in dem er die bisherige Einrichtung bestätigt, daß die Nutzniessung der Güter dieser Kirche den Brüdern zustehe mit Ausnahme von 30 Turnales Ackerland in Reginbach und Ipplendorf, des Zehnten von 7 1/2 mansi daselbst des Zinses der zur Kirche gehörenden Hörigen, des Zinsen von de elemoeinarum partibus, eines Altarzinses 5 solo zu Reginbech Obtationen der Gläubigen als die Einkünfte des Priesters."
(Rheinbach 112U/31: xxx jurnales arabiliee terre; preterea roter Reginbachet Ippelendorf decime de VII mansie et dimidio...)
Zeugen:
"Heinricus maioris eccl. prep. (Pastor in Rheinbach), Ekebertus meior dec, quorum etram petitione et consillo hoc fecimus, Herimannus S. Gereonis prep., Tiodericue com de Aras, Cunradus com. de Bunna, Rudolfus de Hart, Herimannue de Hengebach, ministerialis: Almerus advos., Heinricus de Aldendorf, Johannes de Blense, Lambertus de Pelmereheim."
Der Patronatsherr vom Stifte Münetereifel hatte seit 1197 das Recht, für die Mutterkirchen den Geistlichen vorzuschlagen.
Dazu noch ein Auszug aus den Regesten:
"lpplendorf, den 4. Okt. 1197. EB Adolf bekundet, daß das Stift zu Münetereifel (monaeterium in Eiflia) das Patronatsrecht der Kirche zu Rheinbach und dar damit verbundenen Kirche zu Ipplendorp besitze, so daß der vom Konvent gewählte und vom Archidiakon mit dem donum altaris begabte Pfarrer zu Rheinbach damit zugleich auch die Kirche zu Ipplendorf erhalte, ohne dadurch in irgendeine Abhängigkeit von einer weltlichen Person zu geraten. Dies habe euch Heinrich, der mehr als 40 Jahre Pfarrer zu Rheinbach gewesen sei, in der Synode vor dem Erzbischof erklärt. Privilegium scriptum et porrectum fuit a.dom.ic. MCXCVII."
Es folgen die Zeugen:
"Ludowicus maior prop., Udo maior dec. Bruno prep. Bunneneie, Theodericus prep., s. Andrea, Gerhardus dec. s. Gerome Ivo dec. ss. Apoetolorium, Hildebrandus dec. s. Cuniberti, Giselbertus dec. e. Andreo, maiorie eccl., Hermanue coriep., Hernicue com. de. Kessele, maioris eccl., Hermanue corpiep., Henricus de Hükiewage com., Everhardus de Hengebach, Gerhardue de Volmudieheim, Wilhelmue Solidus. Datum Colonia per manue Godefridi cappellaria nostri IIII non octobrie."
Die Pfarre, wozu die Ortsteile Ipplendorf, Wormersdorf und Klein-Altendorf gehörten, wurde nach dem größten Ort 1256 "Pfarre Wormersdorf" genannt. Unterhaltspflichtig waren das Stift Münetereifel für Kirchenschiff und Chor, die Gemeinde hatte für Turm, Beinhaue und Kirchhof zu sorgen.
Das Kloster Himmerod, das hier zwei Höfe hatte, den Brückenhof und den Altendorferhof, hatte sehr wahrscheinlich auch zum Unterhalt der Kirche beizutragen, denn der Abt von Himmerod hatte einen Teil des Zehnten zu Wormersdorf. Dagegen bezogen Probat, Dechant und Kapitulare zu Münetereifel durch die ganze Pfarre Wormersdorf und Ipplendorf von allen zehntbaren Ländereien den Zehnten.
Nach 1550 bezog der Abt von Himmerod diese 8 Halter 3 Pinten nicht mehr. Von dieser Zeit ab sind nachweisbar diese Höfe in Pacht übergegangen. Die vorhergehenden Verwalter dieser Höfe waren Konversen - Laienbrüder - gewesen. Erst im Jahre 1317 wird im Zusammenhang mit der Stadtverdung Rheinbache (1296 - 1323) erwähnt, daß eine Trennung von der Kirche Rheinbach erfolgte. In dieser Zeit wurde berichtet, daß das Kloster Himmerod dem diensttuenden Pfarrer zwei Halter Korn und sieben Denars zahlte.
Die jetzige Kirche wurde 1754 - 17 unter Pfr. Wadenheim erbaut. Pfarrer Wadenheim, geboren in Vettelhoven, absolvierte 1663 Metaphysik in Köln, geweiht 1666 in Lüttich, 1667 Kaplan in Sinzig, ab 11.11.1668 Pfarrer in Ipplendorf. Er wurde Nachfolger von Pfr. Johann Reifferscheid, der von 1673 - 1697 Pfr. in Rheinbach wurde. Pfr. Peter Wadenheim war 51 1/2 Jahre hier tätig. Er starb sm 12.05.1720 und wurde in der Ipplendorfer Kirche beigesetzt.
Über die Einweihung liegt folgender Bericht vor:
"Am 12. Oktober 1717 bezeugt Generalvikar Johannes Wernerus de Veyder, daß er die Kirche zu Wurmerstorff und den Hauptaltar darin zu Ehren Sanetlseimae Trinitatis, St. Martini und Sebastiani sowie einen Seitenelter zu Ehren B. Marie Virginia geweiht habe, ordnet die Feier einer Jehrged8chnisses der Weihe jährlich für den 3. Sonntag im Oktober an und verleiht den Teilnehmern einen vierzigtägigen Ablass."
Da die Ipplendorfer Kirche Anfang des 20. Jh. für die Pfarrgemeinde zu klein geworden war - trotz der 1725 erbauten Hubertus-Kapelle - und die Gläubigen nicht alle fassen konnte, entschloss man sich im Jahre 1913, einen Kirchenbauverein zu gründen, zwecke Neubau einer neuen Kirche. Dies gelang allerdings erst nach großen Schwierigkeiten, die durch Krieg und Inflation bedingt voran. Erst im Jahre 1934 war die Grundsteinlegung und am 17.11.1935 wurde die Weihe durch den Weihbischof Dr. W. Stockum vollzogen.
Die Ipplendorfer Kirche wurde geschlossen und in den 60er und 70er Jahren gründlich renoviert, so das sie am 12.09.1976 wieder eröffnet werden konnte.
